Donnerstag, 29. Januar 15 // Kunstverein Harburger Bahnhof: Expeditions in the Near-At-Hand – Literarische Zimmerreisen mit Julia Boog und Kathrin Emeis (Kino) & Musik von Björn Hartwig und Alexander Rischer (Bar)

Kunstverein Harburger Bahnhof zu Gast im Golem
Im Rahmen der Ausstellung „Train of Thought“ von Daniel Laufer

Lesung von Julia Boog und Kathrin Emeis (Kino)
Musik mit Björn Hartwig und Alexander Rischer (Bar)
Einlass: 20.00 Uhr, Beginn: 20.30 Uhr

„Expeditions in the Near-at-Hand“ nennt der Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler ein Kapitel seines Buches „Reisender Stillstand“ über das Nischengenre der sogenannten ‚Zimmerreisen’. Ende des 18. Jahrhunderts sieht er mit Xavier de Maistres Novelle „Voyage autour de ma chambre“ ein Genre begründet, das Expeditionen in die Nähe unternimmt ohne dabei den Ausgangsort zu verlassen. Physisch verbleiben die ProtagonistInnen, beispielsweise von Strafe, Flucht oder Krankheit betroffen, stets in den gleichen vier Wänden, geistig jedoch werden – angeregt von Objekten, Bildern oder Ausblicken – Raum und Zeit spielend hinter sich gelassen.

Daniel Laufer (*1975, lebt in Berlin) hat für seine jüngste Videoinstallation, die noch bis zum 8. Februar im Kunstverein Harburger Bahnhof zu sehen ist und u.a. im Kino des Golems gedreht wurde, bestimmte Motive der Zimmerreisen zu Ausgangspunkten seiner offenen, assoziativen Narration gemacht.

Der Flaneur im Innenraum, das Frauenzimmer, die Reise ins Ich: Julia Boog und Kathrin Emeis lesen in diesem Kontext Texte zu den weitesten Reisen auf engstem Raum, während Björn Hartwig und Alexander Rischer in der Bar musikalisch zu ihrer ganz eigenen Reise bitten.


Julia Boog und Kathrin Emeis sind ein eingespieltes Team. Beide studierten u.a. Germanistik an der Universität Hamburg, wo sie heute als Mitarbeiterinnen tätig sind und bereits einige Male gemeinsam Vorträge zu Themen wie „Sehnsucht und Selbstzucht“ oder „Was war zuerst da, die Henne oder das Ei“ gehalten haben. Auch im Rahmen des literaturwissenschaftlichen Online-Projekts „dekonstrukte.de“ ging es in Podiumsdiskussionen, Performances und Workshops immer wieder um den Gebrauch von Literatur, um den Menschen zu berauschen, zu beglücken, aber auch auf Irrfahrt zu schicken.

Alexander Rischer ist bildender Künstler und Musiker, schreibt aber auch gelegentlich, für Künstlerkolleginnen, Kollegen, Freunde, oder im Zusammenhang mit eigenen Projekten. Er arbeitet in seiner Fotografie fast ausschließlich mit den klassischen analogen Mitteln; sein Interesse gilt einer verwinkelten Geschichtsschreibung als Narration, einer Art Feldforschung, in der es um das Eröffnen von Wahrheiten geht, die offiziell und jenseits der Bilder als unrichtig gelten können. Als Gitarrist ist er mit dem Psycho-Folk-Trio »Cardiophon« hervorgetreten, für das er einen pseudopianistischen Stil entwickelte. Aktuell ist er Gitarrist in der Band der Hamburger Songwriterin Geka Nordn.

Björn Hartwig lebt in Berlin und Hamburg. Er arbeitet beim Hamburger Textem Verlag und ist Liebhaber von Platten, Büchern und Pasta, die er am liebsten in weißen Räumen versammelt sieht.