Sonntag, 23. März 2014 // Die Untüchtigen & Fat Jazz präsentieren Theorie & Praxis mit: DIE DICKEN FINGER feat. PETER BRÖTZMANN // Zuvor Vortrag: FELIX KLOPOTEK: How they do it. Free Jazz, Improvisation und Niemandsmusik.

»In respect of its own information the universe must expand to escape the telescopes through we, who are it, are trying to capture it, which is us«

THEORIE UND PRAXIS 1
METHODE UND GEGENSTAND

Die Untüchtigen und Fat Jazz verschwistern sich für einen Abend in Ihrem Sendungsbewusstsein um eine feine Veranstaltung zum zuhören auf die unvorbereitete Menschheit loszulassen.
Eine besondere Gelegenheit sich abholen und reinschubsen zu lassen und endlich doch noch eine andere Person werden zu können: freier, reicher und lauter.

Eintritt:
18 € Komplex (Vortrag und Konzert) – ab 19.00 Uhr
15 € nur das Konzert – ab 20.00 Uhr
Alle Menschen sind gleich, es gibt nur Abendkasse.

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Zu Gast sind FELIX KLOPOTEK, Autor des Buches »How they did it – Freejazz, Improvisation und Niemandsmusik« und DIE DICKEN FINGER, feat. PETER BRÖTZMANN

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Der Abend beginnt um 19.00 Uhr mit einem Wortbeitrag von Felix Klopotek.
Glücklich im Abseits

Free Jazz als »Szene«, als musikalisch-kulturelles Soziotop gibt es jetzt fünfzig Jahre – es ist tatsächlich fünfzig Jahre her, dass Bill Dixon in New York die Oktober Revolution im Jazz ausrief, die noch vereinzelten Freigeister zusammenrief und sie erstmals als Szene vorstellte. Wenn man bedenkt, dass damals Jazz als Kunstform selbst erst fünfzig Jahre existierte, dann bedeutet das von heute ausgesehen, dass (mindestens!) die Hälfte dieser Geschichte auch von Free Jazz, also von freier, ungezügelter, atonaler und klangorientierter Improvisation geprägt ist. Und bis heute hat sich »der Jazz« nur widerwillig und maximal für kurze Zeit damit abgefunden. Warum das so ist, warum es sich nie ändern wird und was das alles mit der vielbeschworenen »Improvisation« auf sich hat, wird Felix Klopotek in seinem Vortrag erläutern.

Felix Klopotek lebt und arbeitet in Köln und schreibt, wenn Zeit, Familie und Politik es zulassen, immer noch am liebsten über Free Jazz.

»Entgegen einer landläufigen Auffassung ist Improvisation eine materialistische Tätigkeit.
Hehre Ziele: das egalitäre Kollektiv, die Verknüpfung unterschiedlicher Bewusstseins- und Zeitzustände, mithin eine neue Autorenschaft, mögen die Absicht musikalisch improvisatorischen Tätigkeit sein, aber nicht deren Voraussetzung.
Tatsächlich bilden die Voraussetzungen, wie den unmittelbaren Gegenstand im Vollzug der Tätigkeit das Material, d.h. das Instrument und seine je spezifischen Eigenschaften, der Musiker und seine persönlichen, sozialen Prägungen und die vielfältigen, daraus sich ergebenden Beziehungen: Musiker/Musiker, Musiker/Instrument, Instrument/Instrument (…)
Entscheidend ist: Methode und Gegenstand sind nicht zu trennen, sondern durchdringen einander und sind nicht abhängig vom jeweils anderen zu verstehen.«

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Um 20.00 dann das Konzert

»Mein Basismaterial bin ich, mein Kopf, mein Körper, meine Sprache. Ich sehe Musik eigentlich als eine Verlängerung meiner Sprachartikulation«
(Peter Brötzmann)

DIE DICKEN FINGER feat PETER BRÖTZMANN
MIT: OLAF RUPP (GIT), JAN RODER (BS), OLI STEIDLE (DR) & PETER BRÖTZMANN

Über Peter Brötzmann Worte zu verlieren, bedeutet nahezu gleichlautend, sie zu verlieren. Allzu monumental ist doch der Ruf, den Brötzmann im Jazz-Bereich ersaxophoniert hat; unumstritten sein Einfluß auf eine völlig freie Interpretation nicht nur des Wortes ‚Jazz‘ sondern gar des Begriffes ‚Musik‘ – nicht ohne Grund ward für sein eigenwilliges, konventionsfreies Spiel die Vokabel „brötzen“ entwickelt.
Brötzmanns Diskographie ist so unüberschaubar wie über Jahrzehnte richtungsweisend geblieben; die Anzahl seiner oftmals überaus namhaften Kollaborationspartner würde manchen Omnibus füllen.
Zusammen mit der Destruktionsjazzkombo »Die dicken Finger« wird Brötzmann nun im Rahmen der Reihe Fat Jazz das Golem zum Glühen, Schmelzen und wiederum zum Erkalten bringen. Mag die Unvorhersehbarkeit dieser Zusammenkunft auch das einzig Vorhersehbare dieses Abends sein – ‚unvergleichbar‘ dürfte in diesem Zusammenhang keine verbotene Vokabel sein.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Elbjazz Festival.