07. Februar 2013 // Kino: EL – „Die Fische heißen“

„Er steht um fünf auf, wenn der, der über ihn schreibt ins Bett geht.

„Wenn auch auf St. Pauli niemand mehr von der Nacht etwas erwartet.“

Dies ist der erste Satz aus dem Film Der Tag eines unständigen Hafenarbeiters (1966).
Der, der ihn schreibt ist der Schriftsteller Hubert Fichte. Seine Dokumentation untertitelt die Fotografien der Hamburger Fotografin Leonore Mau. Im Rahmen von EL Kino zeigt Franziska Mecklenburg zwei Fotofilme von Mau und Fichte und lädt zu einem anschließenden Gespräch mit Ole Frahm.

Leonore Mau weiß zunächst nichts über das Fotofilmen, aber sie lässt sich alles erklären. Für 20 Minuten Film braucht man ungefähr 500 Fotos. Die Fotografin begleitet den Hafenarbeiter, den sie aus der Kneipe Palette kennt, mit ihrer Kamera nach Hause zu seiner Familie, auf seinem Weg zur Arbeit („Um halb sechs nimmt er den 58er Bus“, „Osterstraße“, „U-Bahn bis Baumwall“, „Von dort aus das kleine Stück zu Fuß bis zum Admi“), auf die Barkassen, an die Luken, später in die Eckkneipe.

Bald darauf entsteht der nächste Fotofilm Der Fischmarkt und die Fische (1968) mit Fotomaterial aus dem portugiesischen Fischerdorf Sesimbra. Der Film zeigt den Arbeits- und Lebensalltag aus der Perspektive eines Fischerjungen, die Diktatur Salazars wird nur nebenbei erwähnt („Ja, die politischen Gefangen werden gefoltert“, „Ja, es gibt überall Spitzel“). Der Film endet mit einer Aufzählung portugiesischer Fische: „Die Fischnamen benennen die Welt.“

In den Fotofilmen von Hubert Fichte und Leonore Mau animieren sich Bild und Sprache in der Abfolge von beredten Bewegtfilmsequenzen. Das Aufeinandertreffen von Fotografie, Sprache und Film unter der Choreographie von Fotografin und Dichter reflektiert zugleich Grenzen, Überschneidungen und Beschaffenheit der medialen Formen.