Desert Rose

Man muß sich den Tag als einen sonnigen vorstellen, als Sir Isaac Newton kein kirschroter Apfel auf den Kopf fiel. Es war eine Kaktusfeige.

«Und sie fällt doch!», bemerkte der forsche Philosoph und begab sich zu der Zeit: Lichtspektrum, Infinitesimalrechnung, Leibniz-Keks und schicke Business-Outfits für einen Herbst in Indianerfarben hatten damals noch keine Rolle gespielt.

Nun. Alles kann geändert werden durch die uneingeschränkte Macht der privaten Initiative im Zusammenspiel mit fröhlicher Wissenschaft. Wir haben hierfür tolle Tipps im persönlichen Gespräch an der Bar!

Da wir die Schwerkraft unseres (alles in allem) geschmackvoll eingerichteten Erdballs indes zwar überwinden, aber nicht abschalten konnten, haben wir uns entschieden, ein bewährtes Rezept noch weiter zu verbessern.

So haben wir beim Drink dieser Woche, dem sagenumwobenen «Desert Rose» eine kleine Änderung vorgenommen. Weil sie uns nach Wochen des reiflichen Testierens (gurgeln, schmatzen, rülpsen) genau so, und nicht anders, als am aller-aller-besten erschien!

(Gleichwohl wird diese sprizig-rauchige Cocktailspezialität, die durch die Steppe galoppiert wie eine Horde tiefschwarzer Wildpferde bei Alejandro Jodorowsky, weiterhin im Glas serviert. Sie können sich darauf verlassen!)

Statt Kaktusfeigenkonfitüre nehmen wir das frische Kaktusfeigenpurée aus dem Mesilla Valley – und der Drink wird noch frischer, klarer und erstrahlt wie der letztgültige Sonnenuntergang über Santa Fe!

Mixologist Artemio Vasquez von der New Yorker Bar Yerba Buena, erstmaliger Erfinder des Cocktails «Desert Rose», erklärte sich telefonisch einverstanden: «Ja, kann man gut so machen!»

1. Wir nehmen also eine Flasche Tanqueray Gin und legen darin 4 Teelöffel getrocknete Rosenknospen ein. Die Infusion muß mindestens zwei Stunden Zeit haben, um sich zu verbinden. Danach werden die Knospen ausgesiebt (ganz fein, doppelt und dreifach, damit später nichts das Auge trübt).

2. Für den Drink schließlich nehmen wir 2 Teile frisch gepressten Zitronenensaftes, 1,5 Teile Sirup, 1,5 Teile des fabulösen frischen Kaktusfeigenpurées und 6 (sechs!) Teile der Rosenknospen-Gin-Infusion.

3. Die feinen Inhaltsstoffe werden im Shaker mindestens 23 Male sehr kräftig mit Eis geshaked, sodann in die vorgekühlte Coupette serviert, und mit einem Rosenblatt garniert.

Dazu kann man ausgezeichnet eine Zigarre rauchen! Man kann es aber auch bleiben lassen.

Foto: Dennis Poser // Text: Anselm Lenz